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15 Dez Aktuelle Nielsen Studie: Teenager lesen keine E-Books

Der buchreport griff vergangene Woche eine aktuelle Nielsen Studie auf, die zur Childrens Book Summit veröffentlicht wurde und das Kaufverhalten von Teenagern im Bereich E-Books beschreibt. Nicht wirklich verwunderlich ist die Erkenntnis, dass sie trotz der digitalen Affinität kaum zur Kundengruppe der E-Book Käufer gehören. Allerdings ist die Begründung nur sehr oberflächlich und beschränkt sich auf eine Altersschicht von Kindern, die größtenteils stärker mit Print-Medien und klassischen Büchern aufgewachsen ist. Die Geburtsjahre vor und kurz nach 2000 kennen zwar eine Welt ohne Internet nicht mehr, aber die gesellschaftsprägenden Touchscreen-Geräte waren für diese Kinder erst in der Masse zugänglich, als sie bereits Lesen und Schreiben konnten. Die mediale Sozialisierung des Leseverhaltens fand in dieser Gruppe noch sehr traditionell statt, daher ist die in der Studie dargestellte mangelnde Bevorzugung von E-Books wenig überraschend. Doch auch für die nachfolgenden Generationen bleibt die Attraktivität des Mediums E-Book fragwürdig, schließlich handelt es sich hierbei i.d.R. nur um eine digitalisierte Version eines gedruckten Buches, deren Praktikabilität und Vorzüge in erster Linie in der Benutzung den erlernten Verhaltensweisen derer entspricht, die statt einem 400 Seiten schweren Buch, lieber einen 300 gr. leichten E-Reader in die Tasche stecken möchten. E-Books adaptieren eine Lesegewohnheit, die Print imitiert oder im Einzelfall sinnvoll multimedial erweitern kann.

Entscheidend ist in der Käufergruppe der Kinder auch immer das verfügbare Budget. Eltern fungieren als Gatekeeper für alle Einkäufe im E-Commerce. Im stationären Handel können die Kids ihre Wünsche mit ihrem Taschengeld selbst erfüllen, aber online wird der Besitz von Kreditkarten, Paypal oder Bankverbindungen ebenso vorausgesetzt, wie die Zustimmung der Eltern. Und wo bekommt man E-Books in der Regel? Genau, selten bis gar nicht im stationären Buchhandel. Da ist auch diese Aussage wenig verwunderlich, dass Teens keine E-Books kaufen. Allerdings läßt Nielsen dabei vollkommen aus, dass Teenager zwar nicht kaufen, aber doch sehr genau wissen, wie sie kostenfrei und ohne Zustimmung bzw. Kenntnis der Eltern an die digitalen Bücher heran kommen, wenn sie es möchten.

 

Die Nielsen Studie zeigt aber auch, dass das Informationsverhalten nach neuen Büchern deutlich stärker digital geprägt ist, was auch viel damit zu tun hat, dass die Kommunikation innerhalb der Peer Group sich sehr stark in Messenger-Dienste und soziale Netzwerke verlagert hat. Wenn wir also bei Kindern von „early adopters“ sprechen wollen, müssen wir auch beachten, welche Lesegewohnheiten und medialen Erwartungshaltungen in der Gruppe der Generation Smartphone nachwachsen. Dafür ist ein E-Book allein sicher nicht ausreichend und kaum attraktiv genug bei denjenigen, die mit ihren Smartphones per Whatsapp lieber Sprachnachrichten verschicken, als selbst die Botschaften zu tippen und so die neue Form des asynchronen Telefonierens erfunden haben. Kinder, die in ihren Klassenräumen auf Interactive Whiteboards statt Kreidetafeln schreiben und Kleinkinder, die Tablets bedienen können, bevor sie Bauklötze aufeinander stapeln, sind nicht mit den Käufergruppen zu vergleichen, die bisher den Buchmarkt bestimmt haben. Für diese Generation(en) gelten völlig andere Bedingungen. Justo Hidalgo von 24symbols hat das kürzlich auf der #EBK14 sehr gut auf den Punkt gebracht:

„I don’t compete with Amazon, I compete with Angry Birds.“
(Quelle:  @fabian_kern auf Twitter)

Insofern ist der aktuell stagnierende Markt der E-Books ein ernstzunehmendes Zeichen und sollte davor warnen, sich weiterhin verzweifelt an bestehende Geschäftsmodelle und Formate zu klammern, anstatt jetzt in die Zukunft zu investieren.

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