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Von Katzen, Blasen und Plagiaten

Was wir brauchen, sind mehr als nur Innovationen oder neue Start Ups. Das Netz ist, wie PickiHH so treffend feststellte, neben Neidern und Trollen vor allem gefüllt mit Nörglern und Besserwissern. Halbgare Ideen werden schlecht geredet, bevor sie eine Chance bekommen, ihren vollen Geschmack zu entfalten. Jeder möchte “The Next Big Thing” entdecken, aber zertritt oftmals bereits den Keim durch Diss-Tweets und abschätzige Blogposts. Zu kritisieren ist eben immer einfacher, als vorzudenken.

Natürlich haben wir ein Problem. Na klar, ist sowohl die Politik als auch die Wirtschaft von Status-Quo- und Ego-Denken mehrheitlich geprägt. Aber das Kernproblem liegt doch bei uns allen. Die Tellerwäscher-Mentalität ist nicht gerade eine der bestechensten deutschen Eigenschaften. Daher stellt sich mir seit geraumer Zeit eine sehr ähnliche Frage: Sind in Deutschland (digitale) Innovationen überhaupt möglich?

Der Erfolg der Samwer Unternehmen basierte bereits von Anbeginn auf Kopieren amerikanischer Business Modelle inkl. einer gezielten Exit-Strategie. Es mag glorifizierend klingen, aber ich bin sicher, dass davon durchaus einige Jungunternehmer (mit dicken €-Zeichen in den Augen) im Folgenden geprägt wurden. 2007 galt Deutschland noch als Innovationsland. Es war führend im Export von Hightech und Innovationsgütern und es wurden mehr Patente als in den USA angemeldet. Heute betrachtet die Bevölkerung laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag für den Softwarekonzern Microsoft das Land sogar als innovationsfeindlich.

Wenn man die digitalen Medien betrachtet, bestätigt sich das Bild recht deutlich. Wer schon mal versucht hat in diesem unseren Lande ein Unternehmen zu gründen, kennt bestimmt die Barrieren der Finanzierung, staatlichen Förderungen und fachlichen Unkenntnisse der entsprechenden Institutionen. Diese Hürden mögen vielleicht die Spreu vom Weizen trennen, aber sorgen sicher auch dafür, dass manche Innovationen gar nicht erst ans Licht der Welt gelangen. Schließlich setzen auch Banken und Investoren in der Regel eher auf das Bewährte, als auf Risiko. US Firmen wie Color erhalten hingegen zweistellige Millionenbeträge (für einen Service, dessen tieferer Mehrwert offen gesagt mir persönlich derzeit allerdings noch verschlossen bleibt), diverse Internet Firmen wie Facebook oder Groupon planen ihre milliardenschwere IPOs und es wird bereits über die nächste große Dot-Com Blase heiß spekuliert.

Der Innovationsgeist eines 15-jährigen(!) PERL Programmierers ermöglichte nicht nur den Aufbau eines erfolgreichen Start Ups, sondern erzeugte auch die Aufmerksamkeit von Käufern und Investoren. Dagegen wirkt das krampfhafte Strohhalmklammern der Verlage, die die ARD wegen einer mobilen Nachrichten App verklagen, mehr als armselig. Der Aktivist für freie Software Richard Stallman reagierte auf dieses Verhalten sogar mit dem Aufruf, eBooks zu boykottieren, solange der Leserschaft durch DRM und diverse Regularien das gewohnte Teilen von Büchern und Schriftstücken als Teil des intellektuellen Socializings durch die Verlage verboten wird.

Der Medienwandel findet letztendlich im Kopf statt, nicht in der Technologie. Darüber diskutieren im Grunde jedoch immer die Gleichen in einem inzestiösen Mikrokosmos, der sich Blogosphäre Internet nennt. Nur die wenigsten davon, schaffen den Sprung über den Flatscreen hinaus ins “Real Life” und stoßen dabei dann oft genug noch auf beratungsresistente Ohren. Innovationen brauchen aber eine Lobby, die sie gegen Lobbyisten schützen. Deswegen wünsche ich mir etwas weniger Zynismus und mehr Optimismus, etwas weniger Tellerrand und mehr Horizont, etwas weniger Bashing und mehr Konstruktivität.


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