Kai Wels | kaipiranha.de

Warum Mütter viel gefährlicher sind, als Google Street View

Posted on August 13, 2010 by kaipiranha in Blog

Twitter ist ein echtes Phänomen. Es verbindet Menschen über Kontinente und jede Zeitzone hinweg. Fremde werden zu Followern und manchmal zu geschätzten Quellen an Informationen. Sogar Altersunterschiede spielen scheinbar keine Rolle, wie ich selbst immer wieder feststelle. Man berichtet als Twitteristi über alles und jeden, gibt über Location Based Services wie Foursquare oder friendticker seinen Aufenthaltsort preis und zeigt der ganzen Welt, mit wem man tagtäglich kommuniziert. Man macht sich eigentlich keine Gedanken über den persönlichen Exhibitionismus, den man neben Twitter ebenso auf Facebook, friendfeed, YouTube, Tumblr und und und so betreibt.

Bis man aus dem heiterem Web 2.0 Himmel auf den Boden zurück gebracht wird:
Meine Mutter liest meinen Twitter Stream!

OMG, was hab ich alles geschrieben? Wo war ich? Was hab ich fotografiert? Hab ich mich anständig benommen? Plötzlich wird einem bewusst, wieviel man von sich preis gibt, wie transparent man als kindlicher Internet Nutzer ist. Und das jeden Tag aufs Neue. Meine Mutter weiß alles. Sie kennt meine Freunde, meine Familie, sie weiß sogar wo ich wohne. Sie weiß, wo ich arbeite, sie weiß, was ich gerne esse, kennt meine Hobbys, meinen Musikgeschmack und auf welche Parties ich gehe.

Ganz im Ernst, was erschreckt mich der RFID Chip in meinem Reisepass, die biometrischen Bilder, die Kameraüberwachung auf offener Straße, die Nacktscanner am Flughafen oder das Fotografieren meines Wohnhauses im Gegensatz zu der Erkenntnis, dass meine Mutter meine Tweets liest. Und es kommt noch viel schlimmer. Meine Mutter kennt mein Haus nicht nur von außen, nein, sie weiß sogar wie es innen aussieht. Sie kennt sogar sämtliche Häuser, in denen ich seit meiner Kindheit in meinem bisherigen Leben gewohnt habe. Und von allem hat sie ausführliches Bildmaterial zu ganz unterschiedlichen Anlässen gesammelt.

Meine Mutter erfasst Daten über mich seit über 30 Jahren. Und ihr habt Angst vor Google Street View?

Welche Gefahr von dieser Tatsache ausgeht, erfährt man erst, wenn diese unerschöpfliche Datenquelle ein Leck bekommt und z.B.  interne Informationen wie das Date mit der ersten Freundin oder streng vertrauliches Bildmaterial in Form von Fotoalben an die Öffentlichkeit gerät. Was interessieren mich da die Datenkraken Google, Payback & Co.?

Daher bin ich sehr froh, dass diese Datenquelle bei aller Gefahr aufgrund der ganzeitlichen Informationen, doch absolut sicher ist. Gelegentliches Eindringen in die Privatsphäre und Lecks in der mütterlichen Firewall mal aussen vor gelassen. Das kommt schließlich bei allen großen Data Center Families vor. Außerdem verfügt meine Mutter natürlich auch über eine ständig verfügbare Hotline, bei der man sämtliche Daten über einen selbst einsehen und abrufen kann und die einen sogar eigenständig zurück ruft oder Mother Alerts per E-Mail versendet, sollten plötzliche neue Informationen auftauchen.

Problematisch könnte es nur werden, wenn meine Mutter meinen Twitter Stream nicht mehr nur liest, sondern selbst anfängt, zu twittern. Denn da liegt schließlich die eigentliche Gefahr der mütterlichen Netzneutralität. Eine Optimierung der Privacy Settings wäre vielleicht hin und wieder wünschenswert, aber sonst ist meine Mutter eine echt tolle Frau und ich liebe und schätze sie sehr!

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One Response to “Warum Mütter viel gefährlicher sind, als Google Street View”

  1. Gequeoman sagt: on 13.08.2010 um 12:36

    Meine Mudda fährt das StreetView-Auto ;-)

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