Die Disruption der Generation Smartphone

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20 Jun Die Disruption der Generation Smartphone

Wer die Zukunft kennenlernen wolle, muss 15-Jährige fragen, die alles per Smartphone erledigen.

So brüskierte Oliver Samwer laut Handelsblatt öffentlich beim weltweit größten Branchentreffen der Vorstandschefs von Handels- und Konsumgüterkonzernen, dem Konsumgüterforum CGF in Paris, die Anwesenden und trat nochmal ordentlich nach: „Sie verstehen das nicht, weil Sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen.“ Und er hat recht. So erschreckend es klingt, einem Samwer in seinen Aussagen zuzustimmen, so beängstigend ist auch das Szenario welches uns spätestens in den nächsten 5-10 Jahren bevor steht. Denn dann wird eine Generation von Kunden die Märkte bestimmen, die noch keiner richtig einschätzen kann. Diese Generation hat viele Namen: Millenials, Generation Smartphone, Digital oder Smart Natives. Die Rede ist von dem Teil der Bevölkerung, der jetzt noch Kind oder Jugendlicher ist, aber in einer durch und durch digitalisierten Welt aufgewachsen ist. Ein Leben ohne Smartphones und Touch Screens ist für sie nicht vorstellbar. Google Search und Wikipedia sind alltägliches Arbeitsmittel nicht nur bei den Hausaufgaben, sondern auch im laufenden Frontalunterricht in Anwesenheit der Lehrer. Sie Whatsappen sich die fotografierten Arbeitsblätter, sie suchen Flirts über Tinder und sehen nächtelang TV-Serien am Stück über movie2k. Die Erzählungen von Telefonen mit Wählscheiben und eine Welt ohne Internet klingen für sie wie Gruselgeschichten am Lagerfeuer.

Sind wir auf die Generation Smartphone vorbereitet?

Bereits auf der AKEP Tagung im Rahmen der Buchtage Berlin Anfang Juni 2014 stellte sich mir die folgende Frage:

Doch diese Frage betrifft nicht nur die Verlagsbranche, sondern ebenso den Einzelhandel, die Universitäten, die Personal Abteilungen, die Immobilienmakler, die Unterhaltungsindustrie, Telekommunikation… Sie betrifft einfach alles und ist mit nichts vorherigem zu vergleichen! Doch was tun die Unternehmen, um sich dieser Generation zu stellen? Sind sie vorbereitet? Sind wir darauf vorbereitet? Wer einen Einblick in unser aktuelles Schul- und Ausbildungssystem hat, dem dürfte die gigantische Kluft zwischen vollständig digitalisierten Schülern und ihren Lehrern an den OH Projektoren nicht unbekannt sein.

Sie wissen, was sie wollen. Und sie wollen es sofort!

Bereits jetzt bestimmen diese Kinder unbewusst die Trends und Entwicklungen aus einem ihnen ganz eigenen Bedürfnis: Mit wenig Taschengeld so viel Spass wie möglich zu erreichen. Eine Kinokarte kostet für Schüler im Schnitt 7 € exkl. 3D- und Überlänge-Zuschlag, die bei einem aktuellem Blockbuster kaum noch ohne zu sehen sind. Popcorn plus Getränk dazu und schon sind mind. 12-15 € weg. Für manche ist das ein Monatsbudget. Da verzichtet man auch auf Cheesy 3D-HD-Overkill und sieht sich stattdessen noch vor der Deutschland Premiere die illegalen Screencasts der Originalversionen auf movie2k an. Um den pubertären Hunger während der musikalischen Selbstfindung zu stillen nimmt man bei Spotify gern auch die nervtötende Werbung in Kauf. CDs kaufen höchstens noch die Eltern, die dann umgehend in iTunes gerippt werden und die iCloud gespielt werden. Statt sich wie Generationen vorher die Sendezeiten der Lieblingsserie ins Hirn zu brennen, damit ja nie eine Folge verpasst wird, gehen sie auf Youtube und sehen sich dort ihre Stars und Idole an. Es geht ihnen dabei nicht unmittelbar um den Aspekt der kostenlosen Nutzung. Es ist vielmehr eine Frage von Angebot und Nachfrage. Denn Warten kennt diese Generation im Zeitalter des Ubiquitious Internet nicht. Sie wissen, was sie wollen. Und sie wollen es sofort!

„Die ich rief, die Geister, Werd‘ ich nun nicht los.“

Wir sollten uns bewusst machen, dass wir es mit einer nachwachsenden Generation zu tun haben, die ihr Taschengeld lieber in Paysafe Cards investiert, um damit ihre Minecraft Gameserver zu finanzieren, anstatt in Comic-Hefte. Diese Smart Natives werden uns mit der gleichen Selbstverständlichkeit überrennen, mit der wir ihnen die iPads und Smartphones bereits im Kindergarten-Alter leichtfertig in die Hand gedrückt haben. Es ist die Umkehr von Goethes Ballade,  wo der Besen vom Zauberlehrling besser beherrscht wird, als sein von seinem Meister und nun dieser die berühmten Worte spricht: „Die ich rief, die Geister, Werd‘ ich nun nicht los.“ Eltern, Lehrer, Professoren, Arbeitgeber, Händler, Verkäufer, Produzenten, Unternehmer regen sich über die mangelnde Fähigkeit zur Konzentration auf, doch dabei sie übersehen eine ungeahnte Fähigkeit der Medienrezeption und -adaption. Dies bedeutet eine massive Umstellung für unsere gesamte Gesellschaft und erfordert dringende Veränderungen unserer bisherigen Strukturen. Wer sich diesen Bedingungen nicht stellt, wird aus dem Relevant Set dieser Generation verschwinden und einfach ersetzt. Was wir brauchen, ist eine Digitale Transformation!

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