Heimat Almanya – Was bedeutet eigentlich Heimat?

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23 Aug Heimat Almanya – Was bedeutet eigentlich Heimat?

Sarrazin. Migration. Ausländer. Türken. Polen. Vietnamesen. Deutschländer. Almanci. Problembezirke. Alles Schlagworte, die seit längerem durch die Medien gehen und fortwährend für z.T. heftige Diskussionen sorgen. Es war schon immer eine emotionale Debatte und dann goss einer noch mit scheinbar rationaler Sichtweise Benzin ins offene Feuer. Es wurden Statistiken geführt, Intelligenzen miteinander verglichen und Analysen abgeleitet. Einseitig und klischeeüberladen. Es stieß eine Richtung an, die an längst vergangene Zeiten erinnerte. Und doch entstand dadurch eine Gegenbewegung, ein Stolz, ein kollektives Bewusstsein, das mit wachsender Stimme sagte: „Ich bin Deutsch UND ich bin Türke, Pole, Vietnamese, Spanier, Italiener, was auch immer.

Diese Menschen haben einen völlig anderen Generationenkonflikt, wie man ihn als gefühlt gebürtiger Deutscher niemals nachvollziehen könnte. Sie haben einen deutschen Pass und sind doch nicht deutsch. Sie sind aber auch nicht Türke oder Italiener. Sie sind immer irgendwie dazwischen, zwischen den Welten und eigentlich nirgendwo zuhause. Oder eben überall zu Hause.

Eine Frage stellt sich mir dabei oft: „Wo ist meine Heimat?“ Ich habe diese Frage für mich selbst sogar oft erweitert und mich gefragt: „Was bedeutet eigentlich Heimat?“ Ich bin in Deutschland geboren. Meine Eltern sind in Deutschland geboren. Eine meiner Großmüttern kam aus Schlesien. Viel weiter zurück kann ich schon kaum noch nachvollziehen, wo und woher meine Familie stammt. Ich fühle mich aber nicht als Deutscher. Die deutsche Lebensart empfinde ich persönlich zu oft einfach als zu eng, zu unemotional, zu steif, zu rational. Doch vor dem Gesetz bin ich Deutscher. Und dazu auch noch groß und blond. Na toll. Aber einen deutschen Pass haben viele, die hier leben. Und die sind nicht groß und blond, sondern klein und dunkelhaarig, mittel und rothaarig, dick und grünhaarig, dünn und langhaarig. Es sind eben nicht die äußerlichen Attribute, die in diesem Zusammenhang das Deutsch sein festlegen. Zumindest sollte es so sein. Aber dass das nicht so ist, kann man jeden Tag auf der Straße erleben.

Menschen neigen dazu, andere Menschen in Schubladen zu stecken, dem Fremden mit Vorsicht zu begegnen. Ein deutsches Sprichwort sagt: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ Schade eigentlich. Wo wäre nur die Haute Cuisine ohne handgepflückten Safran aus dem Iran, luftgetrockneten Serrano Schinken aus Spanien, Kardamom aus Indien? Immer nur Kartoffeln, Schweinebraten und Soße, wie langweilig und eintönig.

Es freut mich um so mehr, dass sich nun auf der Plattform www.heimat-almanya.de unwahrscheinlich tolle Geschichten und Beiträge von Menschen mit und ohne sogenannten Migrationshintergrund (ICH HASSE DIESES WORT!) wiederfinden. Der 14-jährige Uzaz schreibt z.B.:

Heute bin ich 14 und gehe auf ein Gymnasium mit einem Notendurchschnitt von 2.1 Ich habe viele Auszeichnungen dafür wie gut ich in Mathematik Physik und Ethik bin. Jedoch ist das jedem egal,ich bin immernoch für jeden Deutschen hier ein Ausländer der noch nichteinmal versucht sich zu integrieren. Ich habe niemanden geschlagen und ich laufe auch nicht mit Lederjacke und Jogginghose rum.Trotzdem werde ich als der große aggressive Türke dargestellt. Und wenn ich bei einem Fußballspiel mir schon anhören muss „Verpiss dich zur Türkei“ dann weiß ich ich bin hier nicht daheim.
(Quelle: www.heimat-almanya.de)

Was muss ein Kind fühlen, wenn es so etwas erlebt? Was entsteht in einem Jugendlichen, der gerade versucht seine Identität zu finden? Es sind erstaunlich viele junge Menschen, die bisher auf dieser Plattform sich äußern, schreiben, singen, malen. Sie zeigen ihren Stolz. Sie zeigen, dass sie Deutsche und gleichzeitig auch Türken, Araber, Kolumbianer oder sonst was sein können. Menschen haben eben ihre Wurzeln. Manche können oder müssen diese mit sich rumtragen und andere wiederum nicht.

Ich habe ganz zu Beginn ebenfalls einen Beitrag dort eingereicht und freue mich sehr, dass er aufgenommen wurde. Ich danke Thomas Praus und allen anderen Beteiligten für die tolle Arbeit an diesem Projekt. Ich kann nur jedem empfehlen, sich die vielen spannenden Geschichten und Beiträge anzusehen. Es lohnt sich und mitmachen ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich gewünscht.

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