Lebwohl Schnutinger! Alles Gute Ute!
Die Kehrseite des Ruhms ist oft unberechenbar wie sich gerade aktuell am Beispiel von Schnutingers Rückzug aus der Blogosphäre zeigt. Ihre Teilnahme an der im Netz sehr umstrittenen Vodafone Kampagne „Es ist deine Zeit“ sorgte für jede Menge Schelte unter ehemaligen Web 2.0 Gefährten. Mit der bekannten Schreibweise, ihr Alter Ego Schnutinger aus der dritten Person zu beschreiben, versuchte sich Ute Hamelmann zu erklären, doch wirkten die Sätze ebenso verzweifelt wie hilflos. Der Post von Freitag, 17.07.2009, „Man muss alles mal mitgemacht haben – oder auch nicht“ ist mittlerweile aus ihrem Blog entfernt worden, nachdem sie damit unzählige böse Tweets und Reposts geerntet hat. Er ist nur noch in dem Google Cache zu finden.
Auslöser für diese Misere war ein zweifelhafter Eintrag unter ihrem Pseudonym auf dem zur Kampagne gehörigen Vodafone Blog „Twittermom“, der sehr offensichtlich und alles andere als subtil Werbung unter dem Deckmantel eines Blog-Posts für Vodafone und dessen neues iPhone-Plagiat HTC Magic enthielt. Bei der ganzen vorangegangenen Kritik an der Kampagne mit den Vorzeige-Web-Zwo-Nullern Sascha Lobo und Ute Hamelmann, war dies offenbar der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Knapp 200 Kommentare überwiegend negativ bis böse, sind aktuell dort eingetragen und greifen Schnutinger größtenteils persönlich an. Es ist kaum noch zu unterscheiden, was Sarkasmus, Fake-Post durch die Vodafone PR und ernst gemeinter Kommentar ist. Deutlich wird nur, dass es zwar eine sehr große Resonanz auf die Kampagne gibt, aber zumindest inmitten der „Generation Upload“, die als Hauptzielgruppe der Aktion steht, kein gutes Haar an allem lässt.
Ich mochte Schnutingers Tweets sehr gern. Sie waren meist sehr humorvoll und eloquent. Ihre Dialoge mit @BonitoTv habe ich besonders gern verfolgt. Ich finde es bedauerlich, dass sie sich so aus dem Netz zurück zieht, entwickele jedoch durchaus Verständnis für diese Entscheidung. Aus der Web-Anonymität heraus ist Mobbing und Dissen ein Kinderspiel, aber es trifft immer noch einen real existierenden und fühlenden Menschen, egal welche Fehler er oder sie auch gemacht haben mag.
Aus meiner Sicht halte ich es auch für zu naiv, für eine erfahrene Bloggerin, sich einer solchen Kampagne anzuschliessen und nicht damit zu rechnen, dass man seine Glaubwürdigkeit beim Tausch von Anerkennung gegen Kommerzialisierung verliert. Blogger sind eitel und sehnen sich nach Aufmerksamkeit, mich selbst eingeschlossen. Doch ist das Bloggen meist eine brotlose Kunst. Und wenn dann auf einmal ein großer Konzern einem ein Angebot macht, Teil einer deutschlandweiten Kampagne mit Plakatwerbung, City Lights und TV-Spots zu werden, wage ich zu bezweifeln, dass viele derjenigen, die jetzt mit Steinen werfen, sich nicht ebenfalls gebauchpinselt fühlen würden und sich dem zu entziehen, sehr, sehr schwer fallen würde. Es ist die Hoffnung nach mehr Aufmerksamkeit für das eigene kleine Web 2.0 Projekt, die Versuchung nach nationaler Anerkennung oder auch einfach der Wunsch, endlich mal mit dem Ganzen auch etwas Geld zu verdienen.
Das Interessante an der ganzen Angelegenheit ist aber auch, dass neben Schnutinger und Sascha Lobo ebenso an dem Dreh des Spots darüber hinaus noch weitere zahlreiche Web 2.0 Stars, Starlets und solche, die es werden wollen, beteiligt waren. Von diesen hört man seit dem Aufruhr im Netz mittlerweile recht wenig, zumindest zu diesem Thema. Vodafone mag vielleicht im Marketing keine souveräne Leistung gezeigt haben, aber die Rechtsabteilung wird sicher gut vorbereitet gewesen sein.
Von daher sage ich Lebwohl Schnutinger und wünsche Ute Hamelmann von dieser Stelle aus alles Gute und viele schöne Erfahrungen mit dem viel, viel wichtigeren Projekt, nämlich ihrem kleinen Sohn.
P.S.: Sorry für diese Mörderfackel-Headline! @Narlinea vergib mir…
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