Social Media für Versicherungen: Es tut sich was

10 Nov Social Media für Versicherungen: Es tut sich was

Vor fast genau einem Jahr habe ich bereits über das unterschätzte Potential von Social Media für Versicherungen und Finanzdienstleistern berichtet. Bekanntermaßen ist die Versicherungsbranche im Bezug auf digitale Medien weniger experimentierfreudig und zählt nicht unbedingt zu den Early Adopters im Web 2.0. Doch seit ein paar Wochen scheinen nun auch die sonst eher konservativen Versicherungen, die Möglichkeiten vor die scheinbaren Risiken zu stellen.

Wenn das, dann D.A.S.

Seit kurzem ist nun die D.A.S., der Spezialist für Rechtsschutz-Versicherungen aus der ERGO Gruppe, mit einer eigenen Kampagne unter dem Titel „Wenn das, dann D.A.S.“ gestartet. Der aktuelle TV Spot weist auf humorvolle Art anhand des Beispiels von Mietmängeln in der eigenen Wohnung auf die Service-Leistung der D.A.S. Rechtsschutz Versicherung hin.

In den Spots wird anstatt auf die Unternehmensseite auf die URL der Kampagnen-Website http://wenn-das-dann-das.de verwiesen, die neben dem Produkt-Angebot auch einen echten Mehrwert durch die Blog-Artikel im Bereich „Mein gutes Recht“ rund um Recht, Rechtsfälle und Gesetzeslagen bietet. Die D.A.S. positioniert sich damit nicht nur als Anbieter, sondern auch als Experte und Lieferant von hilfreichen Tipps und Informationen nicht nur für die eigenen Versicherungsnehmer. Eine begleitende Facebook Page fordert darüber hinaus zu Beiträgen auf und sucht den aktiven Dialog mit den Kunden über Facebook, Twitter und Blog. Nutzer können außerdem die Experten-Beiträge bewerten und sorgen so für eine automatische Empfehlung untereinander.

ERGO: Warum eigentlich 82 Millionen Gründe?

Im Sommer dieses Jahres ging als erstes die 82-Millionen-Gründe Image-Kampagne der ERGO an den Start und sorgte zunächst hauptsächlich mit der angeblich unbeabsichtigten Parallele des TV Spots zum Indie-Kultfilm „High Fidelity“ für rege Aufmerksamkeit. Aber die angekündigten Social Media Aktivitäten der Kampagne stießen nicht wirklich auf große Resonanz, da der Dialog nicht aktiv und gezielt gesucht und gefördert wurde/wird. Der grundsätzliche Ansatz ist jedoch ausgesprochen gut und greift die tatsächlich vorhandene Verunsicherung der Kunden auf, die sich häufig in einem unsäglichen Tarifdschungel nicht mehr zurecht finden und das Vertrauen in die Konzerne und deren Vertretern verloren haben. Doch das volle Potential  im Social Web ist bei weitem (noch) nicht ausgeschöpft. Der Ableger im Bereich Direkt Versicherungen der ERGO ist dort wesentlich aktiver und nutzt neben den Kanälen wie Facebook und Twitter auch den innovativen Ansatz, mit den Kunden via Skype Chat in die Beratung zu gehen.

Allianz ist „Eine Erfahrung“ reicher.

Der zweite Branchenriese Allianz zog kurz darauf mit einer ähnlichen Kampagne nach und integrierte unter der Headline „Eine Erfahrung“ Testimonials von Kunden. Das Konzept wird in den  target=“_blank“>aktuellen TV Spots aufgegriffen, bei der scheinbar reale Kunden über ihre Versicherungsfälle und die Serviceleistung der Allianz berichten. Aber eine offene Dialogführung ist hier offenbar nicht Teil der Strategie. Zwar läßt sich der Inhalt der Aktion auf das eigene Facebook Profil teilen, aber eine offizielle Facebook Brand Page der Allianz Deutschland, die das Interesse der Kunden auffängt, läßt sich nicht finden.

Insofern wagt man sich mit User Generated Content langsam vor, aber traut sich aber offenbar noch nicht den ganzen Weg ins Social Web zu gehen.

Aufbruch der R+V

Seit August 2010 ist auch die R+V Gruppe aktiv geworden und füllt neben einem Corporate Blog ebenfalls auf Facebook und Twitter entsprechende Profile. Jedoch ist die Art und Weise zwar technisch „sozial“, aber die Kommunikation eher althergebrachtes Push-Messsaging. Jeder Servicegedanke wird sogar von Beginn an ausgeschlossen und auf die klassischen Ansprechpartner und Hotlines verwiesen, was ausgesprochen schade ist, aber sich auch entsprechend in der Resonanz und der Größe der Community wiederspiegelt.

Im Übrigen soll nicht unter den Tisch fallen, dass wir – zumindest momentan -Social Media vor allem als Kommunikationskanal verstehen, auf dem wir keinen klassischen Service leisten können. Bei kleinen Fragen helfen wir natürlich gerne weiter, doch bei konkreten Service-Anliegen, sind Sie mit Ihren Fragen bei unseren Ansprechpartnern vor Ort und unserem Kundencenter in den besten Händen.

(Quelle: R+V Website – Aufbruch der R+V in die soziale Welt)

Fazit

Neben der ERGO Direkt bewegt sich die D.A.S. Rechtsschutz als eine der ersten Versicherungen proaktiv in den Bereich Social Media, was bei erfolgreicher und langfristiger Umsetzung vermuten läßt, dass auch bald andere Unternehmen der Branche hier folgen werden. Denn derzeit ist dieses Feld noch weitgehend unbestellt und wer die ersten Schritte wagt, kann auch mit Bereitschaft für neue Wege und Veränderung innovative Trends für die gesamte Branche setzen.

Update (23.11.2010):

Gestern Abend fand in München im Rahmen des Social Media Clubs eine Veranstaltung zum Thema „Versicherungen und Social Media“ statt. Dabei referierten Vertreter der Allianz und R+V über die Erfahrungen im Umgang mit sozialen Netzwerken. Ein kurzer Bericht vom Teilnehmer Thomas Schmidt findet man hier auf virtual-commerce.

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